Planetenbeobachtung im nahen Infrarotbereich am Taghimmel

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Projektleiterin/Autor: Silvia Kowollik
Seite 6
Update: 16.06.2009


Am Abend des 13. Juni 2009 ergab sich nach langer Schlechtwetterperiode eine Gelegenheit, Saturn ausgiebig mit verschiedenen IR-Filtern am 80 cm Cassegrain f=10 der Sternwarte während des Sonnenuntergangs zu beobachten. Ziel war die Ermittlung der geeigneten Belichtungszeit bei 665nm, 742 nm und 807 nm sowie die Seeingberuhigungseigenschaften der genannten Filter. Zum Einsatz kam eine DMK 21AF04.AS und ein Filterrad, welches zusätzlich noch mit Blau- und Grünfiltern von Astronomik bestückt war. Der Zeitpunkt der Aufnahme wurde bewußt auf den Sonnenuntergang gelegt, da frühere Testreihen ergaben, daß +/- 30 Minuten um den Sonnenuntergang das Seeing sehr ruhig ist. Das Seeing an diesem Abend lag bei 6-7/10 und die Durchsicht war mit 7/10 ebenfalls sehr gut.

Im September wird Saturn die Kantenstellung seines Ringsystems erreichen und ab 5.September 2009 blicken wir bis zum Jahr 2025 auf die beleuchtete Nordseite der Ringe.

Zur Kantenstellung wird Saturn am Taghimmel stehen und die Tests vom 13. Juni liefern Richtwerte für die Taghimmelbeobachtung dieser seltenen Konstellation. 

Zuerst wurde mit dem Blau-Filter die Belichtungszeit bestimmt, bei der das Livebild hell genug war, um die Schärfe einzustellen. Bei Gain 800 und 1/60 Sekunde Belichtungszeit wurden 1800 Einzelbilder mit einer Bildrate von 30 fps aufgenommen und ergaben nach der Bildbearbeitung das nebenstehende Bild. Die beiden Monde Tethys und Dione waren im Livebild nicht zu erkennen.
     
Mit der selben Einstellung (Belichtungszeit und Gain) wurde dann das nebenstehende Grünkanalbild aufgenommen. Diese Farbkanäle wurden bei den Farbbildern mit den unterschiedlichen IR-Kantenfiltern verwendet, um jeweils einen farbigen Saturn zu erstellen.
Der 665 nm Kantenfilter hat eine ähnliche Transmission wie der Blaufilter, um die selbe Bildhelligkeit zu erreichen, muß entweder der Gain um ca. 50 Punkte erhöht werden oder bei der Bildbearbeitung die Helligkeit etwas hochgezogen werden. Prinzipiell kann man mit diesem Filter jedoch mit den selben Einstellungen wie mit den Astronomik Farbfiltern arbeiten...
Der 742 nm Kantenfilter (Planet Pro 742 von Astronomik) ergibt bei den gleichen Einstellungen ein deutlich dunkleres Livebild. Der Gain muß daher um ca. 100 Punkte hochgesetzt werden. Ist diese Option ausgereizt, muß entweder die Belichtungszeit verlängert oder bei der Bildbearbeitung die Helligkeit nachträglich gesteigert werden. 
Der 807 nm Kantenfilter (Planet Pro 807 von Astronomik) liefert ein noch dunkleres Bild und die Gaineinstellung muß auf 1023 erhöht oder die Belichtungszeit verdoppelt werden, um eine akzeptable Helligkeit zu erreichen.
Alle 3 getesteten IR-Kantenfilter sind für eine Taghimmelbeobachtung des Planeten Saturn geeignet. Mit steigender Wellenlänge wird jedoch bei Saturn kein weiterer Kontrast- oder Schärfegewinn erzielt.

Will man den Planeten als Farbbild darstellen, sollte der 665 nm Kantenfilter zum Einsatz kommen. Er erlaubt die Verwendung der selben Belichtungszeit wie mit den Astronomik Farbfiltern. 
  Aus den Bildern mit 665 nm, Grün und Blau entstand der nebenstehende Falschfarben-Saturn.
  Aus den Bildern mit 742 nm, Grün und Blau entstand der nebenstehende Falschfarben-Saturn.
  Aus den Bildern mit 807 nm, Grün und Blau entstand der nebenstehende Falschfarben-Saturn.
     

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