Planetenbeobachtung -  Taghimmelbeobachtung von Jupiter

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Projektleiterin/Autor: Silvia Kowollik
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Update: 07.06.2010

Am 3. Juni 2010 beobachtete der australische Amateurastronom Anthony Wesley um 20:31 Uhr MESZ einen ca. 1-2 Sekunden langen Lichtblitz auf Jupiter bei 342 °W (II) und 16 °S, während er mit einem Rotfilter Jupiter aufnahm. Per e-mail benachrichtigte er weitere Amateure. Christopher Go bestätigte die Beobachtung mit einer Videoaufnahme im Blaukanal. 
   

 

Links: 
das Bild von Wesley 

   

 

Rechts:
das Bild von Go

 

Am 4. Juni war der Himmel über Süddeutschland noch bewölkt, aber im Verlauf des Tages klarte es auf und ein ungewöhnlich transparenter, tiefdunkelblauer Himmel ohne jegliche Kondensstreifen zog auf. So konnte am Morgen des 5. Juni bei nahezu perfektem Himmel mit dem 80 cm Teleskop der Sternwarte Zollern-Alb Jupiter ab 5 Uhr aufgenommen und die EInschlagstelle untersucht werden. 

  Kein Wölkchen trübte den Blick zum Himmel, als das Teleskop gegen 4:30 Uhr auf Jupiter schwenkte.  
     
  Tor und Klappe der 6 Meter durchmessenden Kuppel waren bei den Aufnahmen nur minimal geöffnet, um möglichst wenig Streulicht in den Strahlengang der offen ausgeführten Gitterkonstruktion des 80 cm Cassegrain zu bekommen. 

Die unten stehenden Bilder wurden mit RGB-Farbfiltern von Astronomik in einem Filterrad von Astroshop und der Kamera DMK 21AF04.AS aufgenommen. Je Farbkanal wurden 900 Bilder in 30 Sekunden aufgenommen. Bildaufnahme und Bearbeitung mit Giotto bei 10% Verwendung. Zum Aufnahmebeginn war der Himmel bereits tagblau, was das Scharfstellen und die Beobachtung deutlich erschwerte.

Jupiter um 05:07 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 63 °W (II). Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 23,7 ° über dem Horizont, die Durchsicht war durch schwachen Nebel etwas beeinträchtigt.

Das Einschlagsgebiet steht am linken Planetenrand, es ist keine dunkle Einschlagswolke zu erkennen.

Das südliche Äquatorband ist auf der ganzen Länge verblaßt, in der Äquatorzone zeigen sich ausgedehnte bläulich schimmernde Fahnen.

Das nördliche Äquatorband erscheint sehr dunkel und gleichmäßig. Am östlichen Planetenrand zeigt es ein helles Oval an der Grenze zu den Tropen.

Die nördlichen Tropen erscheinen unauffällig.

Jupiter um 05:31 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 77 °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 27 ° über dem Horizont. Die Nebelschicht hatte sich bis auf wenige Stellen in Senken aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt ging die Sonne auf.

Mit zunehmender Höhe über dem Horizont wurde das Seeing immer besser und Jupiter stand sehr ruhig auf dem Monitor. Durch die Umgebungshelligkeit und das massive Streulicht war der Kontrast während der Aufnahme sehr schwach.

Am rechten Planetenrand schiebt sich der Große Rote Fleck ins Gesichtsfeld. 

 

Jupiter um 05:58 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 94  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 30,3 ° über dem Horizont, die Sonne 3,6 ° über dem Horizont.

Der Große Rote Fleck zeigt dieses Jahr eine ausgeprägte gelblich-orange Farbe und hat einen dunklen Punkt im Auge.

 

Jupiter um 06:29 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 113  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 33,8 ° über dem Horizont, die Sonne 8,1 ° über dem Horizont.

 

 

Jupiter um 06:58 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 130  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 36,6 ° über dem Horizont, die Sonne 12,7 ° über dem Horizont.

Am rechten Planetenrand schiebt sich oberhalb des Großen Roten Flecks das Oval BA (Red Jr. ) ins Gesichtsfeld.

 

Jupiter um 07:28 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 148  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 38,7 ° über dem Horizont, die Sonne 17,4 ° über dem Horizont.

Rechts oberhalb vom Große Rote Fleck sieht man das Oval BA (Red Jr.) als blaßgelber Wirbel, gefolgt von einem hellen weißen Oval.

Vom Zentralmeridian nach rechts wird das nördliche Äquatorband unruhig. 

 

Jupiter um 07:59 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 167  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 40 ° über dem Horizont, die Sonne 22,4 ° über dem Horizont.

 

 

Jupiter um 08:29 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 185  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 40,6 ° über dem Horizont, die Sonne 27,3 ° über dem Horizont.

 

 

Jupiter um 08:57 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 202  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 40,3 ° über dem Horizont, die Sonne 31,9 ° über dem Horizont.

 

 

Jupiter um 09:29 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 221  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 39,2 ° über dem Horizont, die Sonne 37 ° über dem Horizont.

Die Temperatur hat sich in den 5 Stunden seit der ersten Beobachtung um rund 10 Grad erhöht, dadurch verschob sich die Fokuslage des Teleskopes und das Seeing wurde zunehmend unruhig. Da der Kontrast weiter sank, konnte nicht mehr optimal scharf gestellt werden und die Beobachtung wurde abgebrochen.

 

Jupiter um 11:20 Uhr MESZ mit Methanbandfilter, ZM = 288  °W (II), Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 28,8 ° über dem Horizont, die Sonne 54,3 ° über dem Horizont.

Die Impactregion befindet sich am rechten Planetenrand. Dort ist kein heller Spot zu sehen, wie er bei dem Impactereignis im Jahr 2009 beobachtet werden konnte.

Da weder eine dunkle Wolke noch ein thermisches Signal an der Einschlagstelle beobachtet werden konnte, dürfte der Körper sehr klein gewesen sein und vermutlich hauptsächlich aus Eis bestanden haben...

Aus den obigen Aufnahmen vom 5. Juni 2010 wurde diese Gesamtkarte mit WINJUPOS erzeugt.
 

 
Vom kräftig roten SEB aus dem letzten Jahr ist nur noch ein sehr schwacher gelblicher Strich übrig, die kräftigen roten Flecken aus 2009 sind ebenfalls zu sehr schwachen gelblichen Strukturen verblaßt.
 
Zum Vergleich, hier eine Karte vom August 2009, die aus Bildern vom 28.7. bis 2.8. erstellt wurde. Sie zeigt das im Verblassen begriffene südliche Äquatorband noch vollständig. Der orange Fleck in der Äquatorzone am linken Kartenrand ist der Jupitermond Io.
 

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