Planetenbeobachtung -  erneuter Einschlag eines Körpers auf Jupiter

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Projektleiterin/Autor: Silvia Kowollik
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Update: 26.08.2010

Am 20. August 2010 gegen 20:22 Uhr MESZ filmte der japanische Amateurastronom Masayuki Tachikawa in Kumamato einen ca. 2 Sekunden langen grellen Lichtblitz in der nördlichen Hemisphäre von Jupiter mit einer Webcam 740 Pro an seinem 6" Takahashi Teleskop. Kurze Zeit später bestätigte Aoki Kazuo, ebenfalls ein japanischer Amateur, die Sichtung aus Tokyo mit seinem Celestron 9¼. Beide Beobachtungsstandorte liegen rund 800 km auseinander. Bei einer Sichtungen durch 2 unterschiedliche Beobachter auf unterschiedlichen Beobachtungspositionen können Ereignisse in der irdischen Atmosphäre und Kamerafehlfunktionen ausgeschlossen werden. Die Position des mutmaßlichen Einschlags wurde mit 140° W (II) und 17° N bestimmt. Mittlerweile liegen weitere Beobachtungen des Impactereignisses durch Masayuki Ishimaru aus Toyama City vor. Dies ist bereits das 3. Impactereignis auf Jupiter innerhalb von 14 Monaten, welches von Amateuren gemeldet wurde.


Oben: ein Bild aus dem Video von Masayuki Tachikawa, der kleine Pfeil deutet auf die Leuchterscheinung in der Jupiteratmosphäre.



Rechts: das Bild von Aoki Kazuo, welches ebenfalls den Einschlag zeigt.

 

Am 21. August war der Himmel über Süddeutschland klar und so konnte bereits 1 Planetenrotation nach der Impactmeldung Jupiter bei gutem Seeing mit dem 80 cm Teleskop der Sternwarte Zollern-Alb ab 3:40 Uhr aufgenommen werden. Leider rotierte die Einschlagstelle erst zu Beginn der Dämmerung ins Bildfeld, das Seeing zu diesem Zeitpunkt war nicht mehr gut genug für eine eingehende Untersuchung.

Die unten stehenden Bilder wurden mit RGB-Farbfiltern von Astronomik in einem Filterrad von Astroshop und der Kamera DMK 21AF04.AS aufgenommen. Je Farbkanal wurden 450 Bilder in 30 Sekunden aufgenommen. Bildaufnahme und Bearbeitung mit Giotto bei 25% Verwendung. 

Jupiter um 03:40:08 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 64.10 °W (II). Scheinbarer Durchmesser des Jupiterscheibchens: 48.18 ". Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 41,14 ° über dem Horizont, Seeing und  Durchsicht waren mit 9/10 außergewöhnlich gut.

Das Einschlagsgebiet befindet sich noch auf der Rückseite von Jupiter.

Das südliche Äquatorband ist auf der ganzen Länge verblaßt, in der Äquatorzone zeigen sich ausgedehnte bläulich schimmernde Fahnen.

Das nördliche Äquatorband erscheint sehr dunkel und am rechten Planetenrand erkennt man eine ausgedehntes Rift, welches sich über rund 30 ° des Bandes erstreckt . Die nördlichen Tropen erscheinen unauffällig.

Jupiter um 04:33 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 96,14 °W (II).
Scheinbarer Durchmesser des Jupiterscheibchens: 48,19 ". Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 39,67 ° über dem Horizont. 

Mit abnehmender Höhe über dem Horizont wurde das Seeing immer schlechter und Jupiter stand nicht mehr so ruhig auf dem Monitor. 

Am rechten Planetenrand schiebt sich der Große Rote Fleck ins Gesichtsfeld. Der schwarze Fleck unterhalb vom GRF ist der Schatten des Jupitermondes Europa.

Im nördlichen Äquatorband ist unterhalb des GRF ein kleiner, dunkler Fleck fast genau an der gemessenen Einschlagsposition sichtbar. Dieser Fleck war jedoch bereits vor dem Einschlag vorhanden und ist nicht die Einschlagswolke.

 

Jupiter um 05:13 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 120,13  °W (II). Scheinbarer Durchmesser des Jupiterscheibchens: 48,19 ". Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 36,96 ° über dem Horizont. 

Oberhalb des GRF erkennt man jetzt Red Jr., dessen Farbe im Vergleich zu früheren Aufnahmen dunkler wird.

Das Seeing war mittlerweile nicht mehr ausreichend gut für Aufnahmen mit UV- und Methanbandfilter, nach einem thermischen Signal des Einschlags konnte nicht gesucht werden.

Bei dieser Aufnahme stand die Sonne nur noch 11 Grad unter dem Horizont, die Dämmerung machte sich bereits deutlich bemerkbar...

Jupiter um 05:45 Uhr MESZ im visuellen Licht, ZM = 113  °W (II).  Scheinbarer Durchmesser des Jupiterscheibchens: 48,19 ". Jupiter stand zu diesem Zeitpunkt 33,89 ° über dem Horizont, die Sonne nur noch 7,3° unter dem Horizont.

Der Punkt am rechten Planetenrand ist der Jupitermond Europa kurz vor dem Eintritt vor die Planetenscheibe.

 

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