Planetenbeobachtung mit Methanbandfilter

logo.jpg (10770 Byte)

Projektleiterin/Autor: Silvia Kowollik
Seite 5
Update 01.09.2008

Am 30.08.2008 erfolgte der nächste Test mit dem Methanbandfilter am 80 cm Spiegelteleskop der Sternwarte und der Kamera DMK 21AF04.AS.
Der Himmel zeigte mit einer Grenzhelligkeit von 6 mag eine sehr gute Transparenz, das Seeing war jedoch unterdurchschnittlich bis durchschnittlich. 

  Zuerst wurde zwischen 21:20 und 22:00 Uhr MESZ mit einem IR-GB Filtersatz von Astronomik mehrere Farbbilder von Jupiter im Fokus bei 8 Metern Brennweite erstellt. Bei einer Belichtungszeit von 1/375 Sekunden konnten die besten Bilder gewonnen werden.

Das Bild auf der linken Seite zeigt Jupiter um 22:04 Uhr MESZ bei CM (II) = 104°W.

Süden ist oben, in der Bildmitte erkennt man zwischen STeB und STeZ "Red Jr." [1], der die Begegnung mit dem Großen Roten Fleck [2] (näher am rechten Bildrand) im Juli schadlos überstanden hat. Unterhalb von Red Jr." sieht man im stark rot gefärbten NEB eine Unterbrechung - ein sogenanntes Rift [3]. Ein weiterer gelblich erscheinender Wirbelsturm [4] ist zwischen dem NNTeB und der NNTeZ schwach zu sehen.

     
  Das Bild auf der linken Seite zeigt Jupiter mit 665 nm (Rotkanal aus obiger IR-GB Aufnahme). Die oben angesprochenen Strukturen sind hier zur Verdeutlichung mit roten Kreisen markiert.
     
Nach den IR-GB Aufnahmen wurden die Filter im Filterrad gegen einen UV-Filter von Schuler (340 - 400 nm) und den Methanbandfilter (890 nm, FWHM = 12 nm) von Asahi Spectra ausgetauscht.

Nur Regionen, die im Methanband hell, im UV dagegen dunkel erscheinen, ragen über die normale Wolkenobergrenze von Jupiter hinaus.
     
.  

Da der Methanbandfilter sehr engbandig ist, schluckt er viel Licht. Es wurden 480  Einzelbilder mit 0,5 Sekunde Belichtungszeit zwischen 21:58 und 22:02 Uhr MESZ aufgenommen.

Das Bild auf der linken Seite zeigt Jupiter im Methanbandlicht bei CM (II) = 101°W.

"Red Jr." und GRF sowie der schwächere Wirbel auf der Nordhemisphäre sind als helle Spots gut zu erkennen, vom Rift im Nördlichen Äquatorband ist jedoch nichts zu sehen. Auf den Aufnahmen vom 27.8.08 ist von dem Wirbel auf der nördlichen Hemisphäre nichts zu sehen, da er zu weit am Planetenrand steht und durch die Randabdunklung verschluckt wird.

     
  Das Bild auf der linken Seite zeigt Jupiter im UV-Licht bei CM (II) = 106°W.

Der UV-Filter hat eine größere Halbwertsbreite - er läßt 4 mal so viel Licht durch wie der Methanbandfilter. Daher konnten die Aufnahmen mit dem UV-Filter mit 0,15 Sekunden Belichtungszeit getätigt werden. Die Aufnahmen erfolgten zwischen 22:07 und 22:08 Uhr MESZ.

 "Red Jr." und GRF sind als dunkle Flecken zu erkennen, das Rift im Nördlichen Äquatorband zeichnet sich hier hell ab. Der Wirbel in der nördlichen Hemisphäre ist nur schwach zu sehen.

     
 

Aus dem Rotkanal des IR-GB-Bildes (grün), der UV-Aufnahme (blau) sowie der Methanbandaufnahme (rot) wurde dieses Falschfarbenbild des Jupiters generiert.

Die Ursache für die Zweiteilung von Jupiters Atmosphäre im Methanbandlicht ist bislang nicht geklärt, eventuell verhindern die Verwirbelungen durch den Großen Roten Fleck im südlichen Äquatorband eine gleichmäßige atmosphärische Zusammensetzung.

     

Die Kamera wurde mit dem Filterrad direkt im Sekundär-Fokus des 80 cm Spiegelteleskopes der Sternwarte platziert. Bei Belichtungszeiten bis
zu 1 Sekunde müssen keine Darks aufgenommen werden. Die Bildbearbeitung gliederte sich daher nur in 3 Schritte:

- subpixelgenaues Mitteln
- Kontrastanhebung
- Schärfung

Bei geeigneten Witterungsverhältnissen werden weitere Tests im Herbst 2008 durchgeführt.

Ab Herbst 2008 wird Uranus am Nachthimmel zu beobachten sein. Ziel unserer Beobachtungsreihe wird es dann sein, das Ringsystem des
Planeten mit dem Methanbandfilter fotografisch zu erfassen.

Weiter zu Seite 6:

Zurück zu Seite 4: