Ringförmige Sonnenfinsternis USA, 20. Mai 2012

Autor: Kowollik, Silvia
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Am Rand des Fahrwegs fanden wir am Tag vor der Sonnenfinsternis in einem der 5 völlig überbelegten "RV-Parks" in Page glücklicherweise doch noch ein Plätzle zum Übernachten. 

Wecker gestellt und in aller Herrgottsfrühe wieder raus aus dem Campingplatz, ehe der "Run" auf die guten Beobachtungsplätze losging...   

Der Parkplatz beim Horseshoeband (der großen Aussichtsschleife von Grand Canion) war mir  persönlich um die frühe Stunde schon viel zu sehr  überlaufen und dort gab es weder Strom noch  Schatten... 


Für rein visuelle Sofibeobachter  sicherlich ein toller Platz, für mich aber indiskutabel...

Blick zurück nach Norden zum Lake Powell und der  Stadt Page mit der Silhouette der Pink Rim des Coloradoplatos.

Die Gegend ist flach wie ein Brett, mit plötzlich auftauchenden Slotcanyons und "Wash´s" - trockene Bach- oder Flußbetten, die nach einem Regen plötzlich Wassermassen führen und in denen schon etliche Menschen ertrunken sind... 


<- Beobachtungsplatz und Aufbau ->

Rundumvideo wird nachgeliefert, das Kabel zwischen Camcorder und Laptop liegt in Ludwigsburg :-((...

Blick vom Parkplatz nach Westen auf die gegenüber liegende  (ca. 200 Meter höhere) North Rim des Grand Canyon zwischen Bitter Springs und Page. 

Im Vordergrund der obligatorische Drahtzaun neben der Straße - die Rindviehcher der Rancher dürfen ganzjährig frei rumlaufen, der Zaun soll verhindern, daß die Steaks verfrüht auf der Straße landen.
Einnorden am Taghimmel ist knifflig. 
Starkstrom-Überlandleitungen und jede Menge Eisen- und Kupfererz im Boden machten den mitgebrachten Kompass überflüssig.

Also  habe ich mit Guide 8 den wahren Mittag für die Koordinaten berechnet  und mit dem Schatten des "Nordbeines" dann grob "eingesüdet". Die Polhöhe wurde mit der aufgeklebten  Skala an der NP "Pi mal Daumen" eingestellt. Für 400 mm Brennweite ist das ausreichend.



Damit die MTS-3 Kabel und die Box mit den Tastern durchs Fenster paßten, mußten wir das Wohnmobil dann um 1,5 Meter zurücksetzen, ohne meine Einnordung der NP zu tangieren. 

Mein Göttergatte winkte mich ein, mein Puls ging hoch ans Limit... Boa, was hab ich geschwitzt und gezittert bei der  Aktion.

 
Eingenordet, die Sonne bleibt für mehrere Minuten im Okular. Es wurde warm. Nein, es wurde heiß. Und  der Wind bließ winzige Sandkörnchen überall hin... Unter der Klappe gab es Nachmittags "Backofen- temperaturen", so daß  ich kurzfristig umdisponierte und die Elektrik (Laptop, MTS-3 und das ganze Kabelgedöhns) ins Innere des Wohnmobils verfrachtete.  Aber es hat geklappt, die restlichen Aufnahmen  mit dem PST entstanden im kühlen und abgedunkelten Schlafbereich im Heck des Wohnmobils...

 

Scharfstellen mit der kleinen Russentonne an der EOS 450 D war kniffliger als gedacht. Zu Hause hatte ich bei den Proben die Kamera mit dem Laptop verbunden und per Lifeview scharfgestellt. Hier war es dazu viel zu hell. Ein Verlängerungskabel bis ins Wohnmobil hätte nichts genutz, so lange Arme habe ich nicht. Ich brauche seit ein paar Monaten eine Brille. Aus Gewohnheit habe ich die Brille aber abgenommen und so durch den Sucher geguckt. 

Dummerweise habe ich aber vergessen, die Dioptrineinstellung am Sucher für meine Augen einzustellen. Für mein Auge waren die Sonnenflecken scharf. Auf den Bildern dagegen blos Matsch. Durch die Bank weg alle Aufnahmen unscharf. Für die nächste Sofi muß ich mir ne Sucherlupe mit Dioptrineinstellung zulegen und schon vor der Sofi die richtige Dioptrineinstellung machen, sonst geht es wieder schief. Scharfstellen mit Gleitsichtbrille ist Käse.  Hier nochmal ein Foto, bei dem mein Mann mit seiner Digiknipse mich und die Ausrüßtung dokumentiert hat. Silvia in "Action". Sonnenhut gegen Sonnenbrand im Gesicht, Langarmbluse gegen Sonnenbrand auf den Armen. Und das Polster aus dem Wohnmobil für meine geschundenen Knie. Darunter noch ein Wegwerfleintuch als Schutz gegen den Dreck der Straße fürs Polster und damit man abgefallene Kleinteile wieder findet...

  00:30:14 Uhr UT, Sonne 22,25 ° über dem Horizont. 
Nach dem hektischen Umbau funktionierte die Technik  am PST glücklicherweise perfekt. Die 31er DMK mit Shapleylinse und einem 5mm Zwischenring zeigte eine Fülle an Details auf der Sonnenoberfläche, die nach und nach vom Mond bedeckt wurden... 
  01:08:15 Uhr UT, Sonne 14,75 ° über dem Horizont. 
Je tiefer die Sonne sank, desto schlechter wurde das Seeing. Das hatte ich befürchtet, aber dank Bildbearbei- tung mit Giotto konnten dennoch die meisten  Details rausgekitzelt werden. Beeindruckend war die Protuberanz auf ca. 3:30 Uhr. Die erlebte einen Helligkeitsausbruch... 
Die totale Phase rückte näher, das Licht wurde gespenstisch. Der Wecker klingelte 5 Minuten vor dem 2. Kontakt und ich machte eine letzte Videosequenz. Dann schnappte ich mir die Kameras für draußen sowie die Sofi-Brille zum Schutz meiner Augen...

    2. Kontakt, die Sonne stand nur noch 9,7 ° über dem  mathematischen Horizont, der an meinem Beobach-
tungsplatz auch etwa dem tatsächlichen Horizont entsprach... 

Keine einzige Wolke am Himmel, blos der leichte Dunstschleier und flirrige Luft über den graugrünen Büschen der Hochebene. 

Ich mußte die Sofibrille mit beiden Händen festhalten, der Wind hätte sie mir sonst weggerissen...

Weitwinkelaufnahme mit EOS

Dämmerlicht während der totalen Phase, man beachte den Schatten der Stative...

    Es war so hell, daß ich keinen einzigen Planeten oder Stern am Himmel erkennen konnte. Da noch etwa 10 % der Sonnenoberfläche unbedeckt waren, mußte ich beim Ein- und Aussteigen aus dem Wohnmobil höllisch aufpassen, um nicht aus Versehen in den "Ring of Fire" zu blicken.  

Das Licht wurde etwa 5 Minuten vor der Totalität "seltsam" - richtig gruselig, weil die Farben zusehends verblaßten.

Finsterniswind habe ich keinen bemerkt, der Wind wehte beständig den ganzen Nachmittag über. Eventuell hat er etwas gedreht, aber das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. 

 

Das Perlschnurphänomen zum 2. Kontakt konnte ich leider mit dem PST nicht festhalten, ich war draußen und hab die Videokamera und die EOS bedient...  

Zum Temperaturverlauf kann ich auch nix sagen, denn ab dem 1. Kontakt war ich meist im Wohnmobil. Ich mußte spätestens alle 3 Minuten die Sonne wieder in die Gesichtsfeldmitte der DMK holen, die provisorische Einnordung ohne Polaris war nicht besonders gut...

Das Perlschnurphänomen beim Austritt dauerte etwa 45 Sekunden bis 1 Minute. Allerdings kann es sein, daß einige der "Perlen" in Wirklichkeit Protuberanzen waren. Denn am Sonnenrand wimmelte es nur so von denen...

     
01:41:50 Uhr UT, Sonne noch 8,3 ° über dem Horizont. Nach dem 3. Kontakt konnte ich trotz sehr tief stehender Sonne den weiteren Verlauf der Sofi beobachten. Die Details der Sonnenoberfläche waren zwar nicht mehr so brilliant, aber dank der klaren Luft doch noch vorhanden. 01:51:30 Uhr UT, Sonne noch 6,4 ° über dem Horizont. Unglaublich, noch immer Details... 02:00:58 Uhr UT, Sonne noch 4,65 ° über dem Horizont. So langsam beginne ich zu hoffen, daß ich bis zum Untergang Strukturen auf der Sonnenoberfläche bekomme...

   

 

02:13:10 Uhr UT, Sonne noch 2,37 ° über dem Horizont  

02:18:58 Uhr UT, Sonne noch 1,3 Grad über dem Horizont, ein Flugzeug huscht durch und immer noch sind  Strukturen auf der Sonnenoberfläche zu erkennen.

02:20:20 Uhr UT, die schrägen, verwaschenen Zacken kommen durch das Mitteln von ca. 300 Videobildern. Es sind die Zacken der Canyonwand. Selbst beim Untergang sind auf der Sonnenoberfläche noch Strukturen zu erkennen...
       
  Nachtrag: Etwas scheint mit meinen Angaben zur Sonnenhöhe nicht zu stimmen. Laut Guide geht die Sonne erst 02:35:40 Uhr UT an den von mir eingegebenen Koordinaten unter. Vermutlich habe ich die Koordinaten falsch bestimmt, also werde ich versuchen, meine tatsächlichen Beobachtungskoordinaten nochmals genauer zu bestimmen und dann die Höhenangaben zu korrigieren...