Deepsky-Fotografie mit NEQ-3 Pro
mit Canon EOS 450Da (modifiziert) an Festbrennweitenteleobjektiven, Schmalbandclipfiltern und ALCCD5L-IIc als Guidingcam an einem 8x50 Sucher


Autor: Kowollik, Silvia
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Hier zeige ich, mit welchem Aufbau ich mit der preiswerten NEQ-3 Pro autogeguidete Deepsky-Bilder vom Balkon im lichtverschmutzten Ludwigsburg aufnehme: 



Aufbau

Glücklicherweise verlaufen die Fugen der Balkonplättle von Nord nach Süd und Ost nach West. 

Nachdem ich die Ablageplatte zwischen die Stativbeine geschraubt hatte, habe ich  das Stativ mit seinen Füßen einfach in die Plättlesfugen gestellt. Dann eine lange Wasserwage auf die Ablageplatte zwischen den Beinen gelegt und durch Verstellen der Beine diese Platte genau wagrecht ausgerichtet. Anschließend die Wasserwaage auf den Aufnahmekopf für die Montierung gelegt und überprüft, ob jetzt der Kopf auch wagrecht ist. Bei meinem Stativ hat das gepaßt.

Als nächstes habe ich den Montierungskopf auf die Stativaufnahme geschraubt und den Breitengrad an der Polhöhenverstellung grob eingestellt. Dann die Prismenschine mit dem Fotoobjektiv, dem Sucher und dem Telrad eingeklinkt und das Gegengewicht auf die Gegengewichtsstange geschoben.

Nun Prismenschine und Gegengewicht durch Verschieben austariert. Dann wollte ich die Motorsteuerung und den Handtaster an den Staivbeinen befestigen. Da diese Teile jedoch für runde Stahlrohrbeine konzipiert sind, paßte das nicht an die eckigen Beine des Alustatives. Mit einem Gummie habe ich die Schale für die Motorsteuerung dann an das Alubein adaptiert. So hat die rückseitige Metallspange Kontakt zum Metall des Stativbeins.

Die Aufnahmeschale für den Handtaster läßt sich mit der "Gummie-Metode" leider nicht befestigen. Vorläufig liegt er in der Ablageplatte zwischen den Beinen oder auf dem Tisch neben dem Stativ.

Dann habe ich die Kabel für die Motoren angeschlossen und mit einem 12V/7Ah Akku die Stromversorgung für die Montierung bereitgestellt... 

     

  Hier ein Bild der "Gummie-Befestigung" für die Halteschale des Motorcontrollers.
 
 

 

   

Die Prismenschiene ist eine 30 cm lange Vollaluminium Schiene, auf der ich an beiden Enden Befestigungslöcher für Prismenklemmen gebohrt habe.

Auf der rechten Seite der Schiene habe ich auch noch einen Sucherschuh befestigt, in dem ich einen 8x50 Sucher für das Autoguiding befestigt habe. Der Abstand zwischen der linken Prismenklemme und dem Sucherschuh ist ausreichend für mein 4/300 Orestegor Teleobjektiv und mehr als ausreichend für den kleinen Bruder, das 3,5/180 Primotar, welches hier auf dem Bild zu sehen ist. Da beide Teleobjektive recht schwer sind, haben sie jeweils eine eigene Prismenschine an ihrem Stativanschluß zur stabilen Befestigung. 

Um den Telrad auf der Prismenschine befestigen zu können, habe ich eine alte Basis genommen, ein Holzbrett mit ihren Abmessungen zurechtgeschnitten und die Löcher für die Schraubbefestigung angezeichnet und gebohrt. Dann im Fundus ein ca. 12 cm kurzes Stück Prismenschiene von einem anderen Bastelprojekt ausgegraben und das Holzbrett mit dieser kurzen Prismenschiene verschraubt. Nun die Basis mit dem Holzbrett verschraubt, schon hab ich eine feste Verbindung vom Telrad zur großen Trägerprismenschiene. :-)

   
Nachdem es dunkel wurde, habe ich die Montierung eingeschaltet und die Daten für meinen Beobachtungsstandort eingegeben. Dann nach Bedienungsanleitung mit Hilfe des Polsucherfernrohrs eingenordet und ein 2-Sterne Alignment mit Hilfe des Telrades durchgeführt. Parkposition angefahren und die Montierung ausgeschaltet. Montierung erneut eingeschaltet und ohne Alignment direkt aus der Parkposition einen hellen Stern aus dem Katalog angefahren. Zu meiner großen Überraschung stand er genau mittig im 30' Kreis.

An Arcturus habe ich per Liveview mit der 450Da das Teleobjektiv scharf gestellt. Dazu habe ich aus Pappe einen Ring geklebt, der über die Sonnenblende des Teleobjektives paßt und mit schwarzem Garn ein Fadenkreuz auf dem Pappring hergestellt. An den Spikes durch das Fadenkreuz läßt sich wunderbar scharfstellen. 

   
  Nun habe ich das ST-4 Kabel mit der ALCCD5L-IIc und dem Autoguidereingang der Handbox verbunden. PHD gestartet und die Guidingcam ausgewählt. Nach dem Kalibrieren von PHD habe ich testweise 20 Minuten auf Arcturus geguidet.

Es dauerte etwa 10 Minuten, bis sich der Guidinggraph so eingependelt hatte, wie auf dem Foto links gezeigt. Die Korrekturbewegungen sanken dabei von ursprünglich 200 ms und Ausschlägen über 3 Kästchen auf rund 30 ms. Ein Kästchen entspricht dabei ca. 1 Zeitminute und einer Abweichung von 4 Bogensekunden. 

Im rechten Teil des Graphen sieht man, daß leichte Windböen zu etwas stärkeren Ausschlägen vor allem in DE führten.

Da bei 180 mm Brennweite auch die größeren Ausschläge noch innerhalb der Sternabbildung von 10 Bogensekunden/Pixel liegen, waren diese Ausschläge jedoch kein Problem. :-)

 
2012 habe ich mit der Prismenschienenkonstruktion bereits etliche Motive mit einem H-Alpha Clipfilter in der EOS auf meiner NP Montierung aufgenommen. Inzwischen habe ich auch einen O-III Clipfilter, also belichtete ich als erstes die Region um den Bubbelnebel und kombinierte dann die O-III Aufnahme mit der H-Alpha Aufnahme aus 2012. Ohne Schmalbandfilter ist mein Himmel jedoch nahezu unbrauchbar, was die Motive leider auf Nebelregionen eingrenzt.
     
  Dieses Bild entstand aus 1,5 Stunden Belichtungszeit H-Alpha aus 2012 mit dem 300 mm Orestegor und der 7 Stunden Aufnahme mit dem O-III Clipfilter am 180 mm Primotar. Das Rauschen im Bild kommt hauptsächlich vom zu kurz belichteten H-Alpha Bild. Diesem Kanal muß ich nochmal Belichtungszeit spendieren...

Die Einzelbelichtungszeiten lagen dabei je nach Himmelshelligkeit (Mond, Schleierwolken und transparentem Himmel) zwischen 5 und 10 Minuten.

Ein Klick auf das Bild zeigt eine 50% Version vom Originalbild.

     
Will man mit Teleobjektiven Übersichtsaufnahmen von Himmelsregionen machen, ist diese kleine Reisemontierung nach meiner Erfahrung mit ihr einfach perfekt. Einen kleinen, leichten Refraktor sollte diese Montierung ebenfalls gut fotografisch tragen. Mehr als 3 kg bzw 500 mm Brennweite würde ich dieser Montierung aber nicht zumuten. Damit ist sie dann vermutlich fotografisch überfordert...