Jupiterbeobachtung mit 150/1800 MAK und ALCCD5L-IIc

Autor: Kowollik, Silvia
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Mein Balkon ist ca. 1,8 Meter tief und schaut nach Westen, Richtung Süden habe ich einen 73 cm breiten "Ausguck" ohne Wand. Das ist knapp. Schiebe ich die Stativbeine so weit wie möglich an den Balkonrand im Süden, kann ich Jupiter ab Azimut 140 ° erkennen. Und ab da über Stunden seine Wanderung über den Himmel beobachten.

Auch wenn die Sicht durch den darüber liegenden Balkon begrenzt wird, Jupiter kann so selbst zur Kulminationszeit mit dem Mak beobachtet werden. 

Dazu wurden die Beine des Statives so weit wie möglich eingeschoben und eine Halbsäule zwischen Montierung und Stativ gesetzt. Das ist jedoch immer noch 15 cm zu niedrig. Das Zenitprisma kann am Balkongeländer anschlagen... Da muß ich noch ein bissy was basteln an Unterbau.

Zuerst hatte ich Bedenken, daß durch die Halbsäule die Schwingungsanfälligkeit steigt. Da der Mak aber sehr kompkat und auch leichter als der 8" Newton ist, geht es mit dem Planetenfilmen problemlos. :-)

Deepsky-Fotografie habe ich noch nicht probiert, dazu ist das Wetter derzeit zu unsicher.

 
Da ich den 6" Mak "nackig", also ohne Taukappe oder Sonnenfilterfolienaufsatz gekauft habe, mußte zu allererst eine Taukappe gebastelt werden. Ohne beschlug  mir sofort die Meniskuslinse.

Im Keller fand sich noch eine alte Isomatte, die sich praktischerweise mit ihren 60 cm Breite hervorragend als Taukappe eignet.

Zuerst habe ich einen 10 cm breiten Streifen abgeschnitten, dann einen 45 cm langen Streifen. Der breite Streifen wurde mit 35 cm  Velourfolie beklebt. Mit doppelseitigem Teppichklebeband wurde anschließend der schmale Streifen innen auf den schlabbrigen Tubus aufgeklebt, jetzt ist der Tubus vorne deutlich stabiler. Und ich habe vorne eine Blende. Leider waren damit die Reste meiner Veloursfolie aufgebraucht. Neue ist bestellt und wird demnächst eintreffen, dann wird das rosarote Monster innen komplett beklebt. Und auch die Frontseite der Blende.

Ihren Zweck erfüllt die halbfertige Taukappe jedenfalls gut, außen dick zugefroren, während die Meniskuslinse innen über 4 Stunden klar blieb. :-)

So schaut es aus, wenn das Teleskop Jupiter verfolgt...

Durch Zufall habe ich letztes Jahr bemerkt, daß Jupiter hell genug ist und sich auf der Glasscheibe des Telrad spiegelt, wenn ich von oben drauf schaue. Also öffne ich bei laufender Nachführung die Klemmen und schiebe den Mak grob in Position. Beim Goto würde das Zenitprisma mit dem Balkongeländer kollidieren... 

Am Sucher hängt eine meiner älteren DMK´s. Deren Gesichtsfeld entspricht den roten Kreisen vom Telrad. Steht Jupiter irgendwo innerhalb der Kreise, kann ich ihn dann über die Knöpfe am Starbook im Sucherbild schön mittig zentrieren. Und schon taucht er wie von Geisterhand in der ROI der ALCCD5L-IIc auf. Belichtungszeit der Durchsicht anpassen und Schärfe kontrollieren.

Vom Einschalten der Nachführung bis zum finalen Scharfstellen vergehen so nur rund 2 Minuten. Ideal für Wolkenlückenastronomie.

Kein Alignment, kein Goto, Deckel runter, Taukappe drauf, ein paar mal klickern und schon geht die Planetenbeobachtung los. :-)

Und das ist mein "Arbeitsplatz". Der Balkontisch wird gegen das Fenster geschoben, Laptop und Starbook griffbereit auf die Tischplatte gelegt. So wenig Kabelsalat wie möglich, so viel wie nötig.

 

Wenn Regen angesagt ist, wird das Stativ samt Montierung und Mak angehoben und in die Ecke gestellt. Dort ist es recht gut geschützt und nur bei Gewitter/Sturm wird alles reingeholt ins Wohnzimmer...