Venustransit am 08. Juni 2004
Autor: Kowollik, Silvia
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Um lokal unterschiedliche Wetterprobleme zu umgehen, wurde der Transit von mehreren Beobachtungsstationen verfolgt. Hier die Ergebnisse vom Gelände der zukünftigen Sternwarte Zollern-Alb.
 

 

Bei der Ankunft der ersten Mitarbeiter gegen 22 Uhr am 7. Juni herrschte klarer Himmel. Die Milchstraße wölbte sich wie eine langgestreckte Wolke über den gesamten Himmel und die Sterne funkelten uns an. Schnell wurden die mitgebrachten Instrumente aufgebaut und eingenordet, dann wurde bis zum Mondaufgang beobachtet. Bei Sonnenaufgang zeigte sich zu unserer großen Erleichterung keine einzige Wolke.

 
         
  Gegen 6 Uhr kamen weitere Mitarbeiter der Sternwarte Zollern-Alb und bauten ihre Instrumente auf. 30 Minuten später erschienen die ersten Mitglieder der Astro-AG des Progymnasiums, um den Eintritt der Venus zu beobachten und mit einer Webcam am Teleskop zu dokumentieren. Aus den gemessenen Kontaktzeiten soll in Zusammenarbeit mit einer deutschen Schule in Johannesburg die Entfernung Erde - Sonne berechnet werden.  
         
  Links: Schnell warfen die Kinder noch ein Blick auf die tief stehende Sonne, dann wurde der Laptop an die Webcam angeschlossen und alles für die Aufnahmen vorbereitet.

Rechts: Sabrina zeigt auf die Webcam der Astro-AG, die an einem 200 mm Teleobjektiv Huckepack auf dem Teleskop sitzt. Mit der werden die Aufnahmen für die Zeitmessungen der Astro-AG gemacht.

 
         
  Damit man auf dem Bildschirm auch im grellen Sonnenlicht etwas erkennen konnte, nahmen die Kinder den Laptop im  Container in Betrieb. Dort war es auch angenehm kühl, während es draußen immer wärmer wurde.

Die 2. Webcam steckte im Hauptrohr (4 Zoll Durchmesser, 500 mm Brennweite), der 2. Laptop fand seinen Platz unter dem Sonnenschirm in einer selbstgebauten Schattenbox auf dem Campingtisch. Das war nicht so komfortabel wie im Container, aber dafür sehr mobil einsetzbar.

 
         
  Mit Fernrohren und Ferngläsern rückten wir der Sonne zu Leibe. Bald tauchten erste Besucher auf und bestaunten unser Muttergestirn. Pünktlich zum vorausberechneten Zeitpunkt berührte Venus den Rand der Sonne. 20 Minuten später konnte sie mit dem blosen Auge und einer Sonnenfinsternisbrille als kleiner, pechschwarzer Punkt auf der Sonnenscheibe gesehen werden.  
         
  Links: 07:29:15 Uhr MESZ, Venus knapp zur Hälfte vor der Sonnenscheibe sichtbar.

Rechts:07:40:40 Uhr MESZ, Venus ganz vor der Sonnenscheibe, leichte Tropfenform.

Einzelbilder der Webcam bei 500 mm Brennweite und 1/10.000 Sekunden Belichtungszeit, Filter: Baaderfolie

 
         
  Links: Die Nachführung für das Teleskop mit den beiden Webcams wurde live am Bildschirm kontrolliert.

Rechts: Per Fernbedienung konnte das Teleskop so bewegt werden, daß die ganze Sonne auf dem Bildschirm der Kinder im Container auftauchte.

 
         
  Links: Fast fleckenlos präsentierte sich unter tiefblauem Himmel und Temperaturen um 30 ° C unsere Sonne.

Lediglich unterhalb der Sonnenmitte standen 4 winzige Sonnenflecken. Aufnahme mit EOS 300 bei 1/4.000 Sekunden Belichtungszeit am Mewlon 180 von Takahashi (2160 mm Brennweite, Filter: Mylar ND 4.5).

Rechts: So sah der Satellit Soho die Sonne.

 
         
  Unsere jüngsten Besucher waren Kinder einer Leidringer Grundschule. Begeistert verfolgten sie den schwarzen Punkt vor der Sonne und stellten viele Fragen. Souverän betreuten die Mitglieder der Astro-AG die Schulklasse. Mittlerweile war es in der Sonne sehr warm und mitgebrachte Regenschirme wurden kurzerhand zu Sonnenschirmen umfunktioniert.  
         
  Auch mit chemischem Film gelangen eindrucksvolle Bilder unseres Nachbarplaneten vor der Sonne am Takahashi.  
         
 

Die schwarze Venus konnte auch mit blosem Auge
von fast allen Besuchern durch eine mitgebrachte Sonnenfinsternisbrille gesehen werden.

 

Sonne im Fernglas

         
 

 
         
 

 
         

Visuell gemessenen Kontaktzeiten:

07-20-22 1. Kontakt
07-35-00 leuchtender Ring - Atmosphäre!
07-39-28 2. Kontakt

13-03-33 Tropfen
13-04-04 3.Kontakt
13-06-33 leuchtender Ring - Atmosphäre!
13-22-56 4. Kontakt

         

Lomonossov-Effekt

  Mit der Canon 300 D wurde um 13:10:56 der leuchtende Ring um Venus teilweise abgebildet. Dieser Ring wurde als Lomonossov-Effekt in der Literatur erwähnt, aber ich hatte nicht erwartet, ihn so deutlich zu sehen oder gar zu fotografieren. Aufnahmeinstrument: Mewlon 180 von Takahashi (2160 mm Brennweite, Filter: Mylar ND 4.5). Belichtungszeit: 1/320 Sekunden

Links: unbearbeiteter Ausschnitt aus dem Originalbild
Rechts: Graustufenbild, Kontrast nicht verändert
 



Lomonossov-Effekt

         
    Webcamergebnisse:    
         
  1. Kontakt:

Auf diesem unbearbeiteten Einzelbild ist zum ersten Mal eine deutliche Einbuchtung am Sonnenrand zu sehen. Bei stärkerer Vergrößerung wäre der 1. Kontakt sicher früher zu sehen gewesen, aber bei 500 mm Brennweite war leider nicht mehr zu machen...

   
         
  2. Kontakt:

Ebenfalls ein unbearbeitetes Einzelbild, hier ist die Venusscheibe definitiv vom Sonnenrand gelöst. Die vorhergehenden Bilder sind wegen Seeing leider unscharf.

   
         

Animation des 2. Kontaktes

Animation ist ca. 135 kB groß!

  Tropfenphänomen?

In der Literatur wurden mehrmals Tropfenphänomene erwähnt, daher wurde der Eintritt bis 2 Minuten nach dem 2. Kontakt durchgehend gefilmt. Ein ausgeprägter Tropfen konnte jedoch auf den Bildern nicht entdeckt werden.

Bei hoher Vergrößerung der einzelnen Bilder erkennt man jedoch, daß die Überstrahlung des Sonnenrandes nach dem 2. Kontakt radial zur Venusscheibe hin abnahm. Dies ergab eine scheinbare Einbuchtung des Sonnenrandes in Richtung Venus. Bei falscher Fokussierung des Teleskopes oder sehr schlechtem Seeing konnte daraus für das Auge der Eindruck eines Tropfens entstehen.